Basisgüter …

… sind Grundbedürfnisse, von denen ausgegangen wird, dass alle Menschen weltweit sie haben – ungeachtet der Kultur, aus der sie stammen. Sieben Basisgüter gibt es, und jeder Mensch braucht alle sieben für eine anständige Existenz. Hat er eines (oder mehrere) nicht, leidet er entsprechenden Mangel. Im Idealzustand sind alle sieben Bedürfnisse vollständig erfüllt; im konkreten Leben eines einzelnen Menschen ist dies, verursacht durch die konkreten äußeren Umstände seines Lebens, immer nur mehr oder minder der Fall.

Wann ist ein Bedürfnis ein Basisgut?

Dann, wenn es folgende vier Kriterien erfüllt:

  • Es ist universell: Es gehört zu einem guten Leben an sich, nicht zu einer bestimmten lokalen Vorstellung davon.
    Beispiel: „Einmal Urlaub pro Jahr“ gehört sicherlich zur Vorstellung der meisten Deutschen von einem guten Leben, aber möglicherweise nicht zu der eines Bewohners der mongolischen Steppe.
  • Es ist final: Es ist also „gut an sich“ und nicht nur als Mittel zu etwas anderem, was gut ist.
    Beispiel: Gesundheitsversorgung und Gesundheit: Gesundheitsversorgung ist „gut für die Gesundheit“, ist also kein finales Gut. Gesundheit dagegen ist ein finales Gut, denn auf die Frage „wozu ist es gut?“ kann keine weitere Antwort mehr gegeben werden.
  • Es ist „sui generis“: Es ist also kein Bestandteil anderer guter Dinge.
    Beispiel Ernährung: Sie ist Bestandteil von Gesundheit oder von Freundschaft/Gemeinschaft oder Muße. Damit ist sie kein Basisgut.
  • Es ist unverzichtbar für jedermann: Es nicht zu haben, ist immer ein Verlust oder Nachteil. Fehlt es dem Menschen, so geht es ihm schlechter, als wenn es ihm nicht fehlt. Eine Reise nach Indien mag für Mensch XY vielleicht unverzichtbar sein, aber da sie nicht gleichzeitig universell, final und sui generis ist, ist sie damit kein Basisgut.

Definition der Basisgüter

Gesundheit: Die vollständige Funktionsfähigkeit des Körpers. Alles, was nötig ist, das Leben über eine vernünftige Dauer zu erhalten, aber darüber hinaus auch Vitalität, Energie, Wachheit, „rotwangige Schönheit“. Gesundheit heißt, auf glückliche, sorglose Weise nicht über den eigenen Körper nachdenken müssen, weil er einfach gut und richtig funktioniert.

Sicherheit: Sicherheit bedeutet ein Dach über dem Kopf und sein Auskommen zu haben, in Frieden leben zu können, sich nicht auf chaotische Zustände einstellen zu müssen. Sicherheit wird gestört, wenn das Leben eines Menschen durch Krieg, Verbrechen, Aufruhr und Ähnliches an seinem gleichmäßigen Gang gehindert wird.

Respekt: Respekt ist Anerkennung und Einbeziehung des Standpunkts anderer, heißt die Ansichten und Interessen anderer für beachtenswert halten. Formalen Respekt erhalten wir durch Bürgerrechte – alle werden gleich respektiert. Für realen Respekt anderer muss ein Mensch etwas aus seinem Leben machen, es zumindest versuchen. Wer keinen Respekt erfährt, bekommt den Status eines Menschen abgesprochen (Beispiel: Versklavung).

Entfaltung der Persönlichkeit: Die Fähigkeit, einen Lebensplan zu entwerfen und umzusetzen, der eigene Vorlieben, Temperament und Vorstellungen, was gut ist, widerspiegelt. Persönlichkeit umfasst Autonomie, Spontaneität, Individualität und Tatkraft. Sie braucht zu ihrer Entfaltung eine Art Hinterzimmer für Gedankenfreiheit. Die Persönlichkeit ist es, die Respekt verlangt.

Freundschaft und Gemeinschaft: Alle festen, von Zuneigung getragenen Beziehungen zu anderen Menschen, etwa wie im altgriechischen Begriff der „Philia“: zu Familie, Freunden, Lehrern, Schülern, Kollegen. Freundschaft heißt, den anderen um seiner selbst willen zu schätzen, nicht weil er „etwas zu bieten hat“. Freundschaft ist eine konkrete Beziehung zwischen A und B. In Abgrenzung dazu ist Gemeinschaft eine Gruppenbeziehung unter Gleichgesinnten.

Harmonie mit der Natur: Alle Kulturen verleihen dem Gefühl der Nähe zu Tieren, Pflanzen und Natur Ausdruck: in Kunst, Religion, Techniken im Umgang mit der Natur, dem Bedürfnis nach Naturerleben. Menschen kommen aus der Natur und drücken ihr durch ihre Kultur den Stempel auf. Harmonie meint, dass der Mensch sich des Eigen- und des Nutzwerts der Natur bewusst ist und die ständige Balance zwischen Gewährenlassen und Eingreifen versucht. Die Arbeit im Garten verdeutlicht dieses Prinzip gut.

Muße: Muße ist die aktive oder kontemplative Teilnahme am Leben über Tätigkeiten, die ohne äußeren Zwang um ihrer selbst willen verrichtet werden. Dies kann in der Freizeit oder bei der Arbeit sein. Muße geht über ein rein mechanisches Verrichten von Dingen hinaus, ist das Gegenteil der „lästigen Pflicht“. Muße ist Lebenskunst und Quelle von Kultur und Zivilisation.

Beschreibung der Basisgüter nach dem Buch „Wie viel ist genug?“ von Robert und Edward Skidelsky, Kunstmann-Verlag München 2013.

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2 Kommentare zu “Basisgüter …

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