Denkanstoß

German Glück

 

geteiltes Glück, doppeltes Glück

Verdoppelt sich, wenn man es teilt: Glück

Die Deutschen gelten traditionell ja nicht grade als „Glücksweltmeister“, obwohl wir uns im internationalen Ranking spätestens seit der denkwürdigen Weltmeisterschaft 2006 nach oben geschafft zu haben scheinen. Keine Frage, im vergangenen Jahrzehnt sind wir insgesamt lockerer, lebenslustiger, leichtfüßiger geworden. Die prächtigsten Exemplare der deutschen Glückspilze wohnen angeblich zwischen der Nord- und der Ostsee, in Schleswig-Holstein. Unserem nördlichsten Bundesland hat der Deutsche Post Glücksatlas Anfang November nun schon zum siebten Mal den Ritterschlag in puncto Glück erteilt. Baden kommt im Glücksatlas gleich auf Platz drei. Seine Bewohner sind, wie wir jüngst in der RNZ  lesen konnten, deutlich glücklicher als ihre direkten östlichen Nachbarn, die Schwaben, die es in diesem Atlas nur auf Platz 11 schaffen.

Glück ist individuell

Was sagen uns diese Statistiken? Alles und nichts, freilich. Dass auch in Schleswig-Holstein nicht in allen Menschenseelen eitel Sonnenschein herrscht und auch Sachsen und Sächsinnen, ihres Zeichens die vielleicht bedauernswerten Schlusslichter im Glücksranking, ihres Lebens froh sein können: geschenkt. Glück ist und bleibt nun mal eine höchst individuelle Angelegenheit jedes und jeder einzelnen der gut sieben Milliarden Erdenbürger.

Wie individuell, das lässt sich nun im frisch erschienen Buch German Glück nachlesen. Seine Autorin, die Germanistin und Soziologin Sabine Eichhorst, ist kreuz und quer durch unsere Republik gereist, hat mit Menschen zwischen 9 und 75 Jahren gesprochen und sie zu ihrem ganz eigenen Glück befragt. Herausgekommen sind 19 spannende und berührende Porträts ganz unterschiedlicher Menschen, die die Autorin so einfühlsam und authentisch schildert, dass man beim Lesen glatt meint, als still lauschende Dritte mit am Tisch oder auf der Couch der Interviewten dabei zu sitzen. Die eigenen Glückssaiten fangen unweigerlich zu schwingen an und man fragt sich fortwährend: Was macht Glück für mich aus? Was ist mein Glück?

Zuversichtlich in die Zukunft

Auch bei der Matrix ging es in diversen Posts schon um das Thema Glück – hier zum Beispiel, da auch und dort ebenso. Und unser Uralt-Post „Bruttoglück mit Bio in Bhutan“ hat fortgesetzt hohe Zugriffsstatistiken. Keine Frage: Auch und gerade im Internet wird nach „dem Glück“ gefahndet. Das Thema ist gewiss ein Dauerbrenner.

Weshalb wir German Glück trotzdem erwähnen? Weil das Buch grade zur rechten Zeit zu kommen scheint.  Im Weltvergleich mag Deutschland sozial und wirtschaftlich nach wie vor hervorragend dastehen, doch was vermögen harte Fakten angesichts seelischer Befindlichkeiten? Allzu viele empfinden hierzulande, dass wir derzeit in Sackgassen rennen oder längst darin stecken – politisch, sozial, im Umwelt- und Klimaschutz. Die weltweite Lage ist brisant, das schürt Ängste, die auch unser gesellschaftliches Klima hierzulande vergiften und bislang stabile Gefüge ins Wackeln bringen.

German Glück setzt hier einen Kontrapunkt. Jenseits aller schlechten Nachrichten und (teilweise nur gefühlten) Schrecklichkeiten regt seine Lektüre an, sich dem Thema Glück auf eher philosophischen Pfaden zu nähern. Wir treten angesichts der geschilderten Schicksale einen Schritt zurück und fragen: Was zählt wirklich für ein, für mein gutes Leben? Mit Weltflucht hat das nichts zu tun, eher mit Stärkung der eigenen Zuversicht. Von der – in gebündelter Form – kann jede Gesellschaft nur profitieren. Auch und gerade deshalb wünschen wir German Glück viele Leserinnen und Leser. (nö)

 

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