Denkanstoß/Stadtentwicklung: Heidelberg

(Luft)-Züge …

Wer kennt nicht diese berühmten Eisenbahnzüge: den Orientexpress (Paris – Konstantinopel), den Blue Train (Pretoria – Kapstadt), den Flying Scotsman (London – Edinburgh), den Rheingold-Express (Amsterdam – Mailand)? Oder das Kuckucksbähnel von Neustadt nach Elmstein? Für Pfälzer und Kurpfälzer gehört es sicher auch in diese Reihe.

Aber kennen Sie „den Neckartäler“? Klingt der nicht auch nach einer dieser Eisenbahnlegenden? Deren Namen Fernweh und Abenteuer verheißen und jedem Eisenbahn-Nostalgiker das Herz im Leibe hüpfen lassen? Dabei ist „der Neckartäler“ gar keine Eisenbahn. Er ist ein Wind. Heidelbergern ist sein Name schon lange ein Begriff, und, ja, tatsächlich: Er hat doch etwas mit Eisenbahnzügen, auch den berühmten unter ihnen, gemein: Er hat eine Strecke und er hat einen Fahrplan.

Frischluft für alle!

Jeden Abend zieht er durchs Neckartal, den geografischen Gegebenheiten angepasst von den Odenwaldhängen und den Seitentälern des Neckars kommend: ein Luftstrom das Neckartal stromab, der den am Fluss gelegenen Ortschaften Kühle und Frische verschafft, bevor er sich in der Weite der Rheinebene verliert.

Die letzte der vom Neckartäler angefahrenen Ortschaften ist also Heidelberg. Dort ist der Wind im Sommer besonders für die eng bebaute Altstadt eine Wohltat: Die Hitze des Tages, die sich dort überall aufgestaut hat und alles schlapp und müde macht, wird von ihm einfach hinfortgeblasen. Und mit ihr die ganzen Schadstoffe, die sich im schwülen Dunst des Tages angesammelt haben. Kurzum, der Neckartäler sorgt für Frische, beflügelt Mensch und Tier mit neuer Energie, schafft also Wohlbefinden.

Nach Fahrplan – oder aus dem Takt?

Lange Zeiten folgten Strecke und Zeiten des Neckartälers quasi einem Fahrplan, den die Menschen kannten. Fahrplanänderungen hatte es dabei immer gegeben, wie die folgende Chronik zeigen mag:

Zeitalter Stationen Ankunft Dauer
Eisenzeit Am Wilden Wasser

Tor zum Rhein

In der Ebene

vor Sonnenuntergang die halbe Nacht
Römerzeit Hackteufel

Lager Neuenheim

Gegenüber dem Lager

In der Ebene

um die 10. Stunde eine ganze Weile
Mittelalter

 

Hackteufel

Neuenheim

Gewann Schlechte

Unterfeld

Schlag 6

 

90 Vaterunser
Um 1900 Hackteufel

Neuenheim

Bergheim

Großer Ochsenkopf

Gewann Schaffner

Mo – Sa:

zum Feierabend

eine gute Stunde
Um 2000 Am Hackteufel

Uferstraße

Vangerowstraße

Wieblinger Weg

Schützenstraße

Mo – Fr: 18:00 Uhr

Mo – Fr: 18:10 Uhr

Mo – Fr: 18:10 Uhr

Mo – Fr: 18:15 Uhr

Mo – Fr: 18:25 Uhr

ca. 30 Minuten

ca. 30 Minuten

ca. 30 Minuten

ca. 20 Minuten

ca. 15 Minuten

Wie man sieht, wurde der Neckartäler über die Jahrhunderte hinweg immer kürzer und unpünktlicher. Wir können nur hoffen, dass die städtebauliche Entwicklung der nächsten Jahre ihm – und damit uns in Heidelberg – nicht vollkommen die Luft abschnüren. Unsere Prognosen für die weitere Fahrplanentwicklung sind recht düster:

2018

Nach Marriot-Hotel-Erweiterung

Am Hackteufel

Uferstraße

Vangerowstraße

Wieblinger Weg

Schützenstraße

Mo – Do: ca. 18 Uhr

Mo – Do: ca. 18:10 Uhr

Mo, Mi:   ca. 18:10 Uhr

Mo, Mi:   ca. 18:20 Uhr

Mi:          ca. 18:30 Uhr

20 – 30 Minuten

20 – 30 Minuten

ca. 10 Minuten

ca. 8  Minuten

ca. 5 Minuten

2020

Nach Betriebshof-Verlagerung an den Großen Ochsenkopf

Am Hackteufel

Uferstraße

Vangerowstraße

Wieblinger Weg

Schützenstraße

Mo, Mi, Fr: Abends

Di, Do, Sa: Abends

Di, Do, Sa: Abends

Mi:             Abends

einen tiefen Atemzug lang

(gk)

 

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